Weidenbaum und Karaki Hüseyin Çelebi

Akın Kurtoğlu

Ein Blick von der Hüdavendigâr-Straße auf die Gülhane-Stadtmauer… Direkt vor uns befindet sich die Karaki-Hüseyin-Çelebi-Moschee. Der Motorwagen, der auf der linken Spur auf uns zukommt, ist ein Wagen der ersten Klasse der Straßenbahnlinie „12“ (Fatih–Harbiye)… Den Blättern der Bäume und der Kleidung der Fußgänger nach zu urteilen, muss es ein regenerfreier, aber bewölkter und kalter Herbsttag sein. Die Richtung und Größe der schwachen Schatten auf dem Boden deuten darauf hin, dass es etwa ein Uhr nachmittags ist.

Wahrscheinlich werden gerade in diesem Moment von der Yenicami und dem bescheidenen Minarett von Hüseyin Çelebi die Mittagsrufe im Rast-Modus verlesen. Die Herren, die dicht an dicht auf dem Bürgersteig gehen, sind wohl Angestellte und Handwerker aus der Nachbarschaft, die eine Pause von der Arbeit gemacht haben, um zum Mittagessen zu gehen…

Es waren die Jahre, in denen die anmutigen Holz- und Mauerwerksgebäude in Istanbul noch die Oberhand hatten… An jenem Istanbuler Mittag, der noch nicht von Verkehr und Beton erstickt war, muss es in jenen Augenblicken ein unermessliches Vergnügen gewesen sein, mit gemächlichen Schritten in Richtung Sirkeci zu schlendern…
(Foto aus dem Archiv meines verstorbenen Großvaters İbrahim Hilmi TANIŞIK)